Fälschen leicht gemacht durch 3D-Drucktechnologie?

Fälschen leicht gemacht durch 3D-Drucktechnologie?

3D-Druck bzw. additive Fertigung etabliert sich in immer neuen Branchen – neben Medizin und Luftfahrt nun etwa auch bei Herstellern von Kleidung und Accessoires oder im Luxussektor. Als Folge entstehen große Herausforderungen beim IP-Schutz, wie ein aktueller Bericht beleuchtet.



3D-Druck stellt Markeninhaber vor Herausforderung

Autor: Marlene Ende, International Product & Market Manager bei tesa scribos
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Ein aktueller Bericht des Europäischen Parlaments betont neben der wachsenden Bedeutung des 3D-Drucks für die Wirtschaft auch damit einhergehende Herausforderungen, allen voran beim Schutz geistigen Eigentumes. So profitieren Unternehmen und Markeninhaber zwar von der zunehmenden Verfügbarkeit von kostengünstigen 3D-Druckern und Druckmaterialien und können diese für die Entwicklung neuer, innovativer Produkte nutzen – doch auch Fälscher können von der Technologie profitieren.

"Der 3D-Druck birgt unter anderem das Risiko, das Fälschen von Produkten zu erleichtern; nicht nur im Hinblick auf Einzelpersonen […], sondern auch auf organisierte Netzwerke, die vom Verkauf gefälschter Waren profitieren", so der Bericht. Entsprechender Handlungsbedarf im IP-Recht wurde zuvor auch schon von der WIPO erörtert.

Zwar gehen Experten davon aus, dass sich viele Branchen noch in der Anfangsphase der Anwendung und Entwicklung des 3D-Drucks befinden. Dennoch werde die Technologie in Zukunft eine enorme Herausforderung im IP-Schutz darstellen, allen voran für Designer und Hersteller von Konsumgütern, erklärt Justin Pierce, Leiter der IP-Abteilung der US-Anwaltskanzlei Venables, gegenüber dem Fachmagazin IP Pro.

So könnten sich Fälscher in Zukunft mit Hilfe eines 3D-Scanners etwa Computermodelle für eine Vielzahl von Produkten erstellen und diese im Anschluss nutzen, um illegale Kopien von Markenprodukten zu produzieren und zu verkaufen. Auch könnten Fälscher File-Sharing-Dienste verwenden, um 3D-Baupläne von Markenprodukten illegal im Internet zu verkaufen, und es so Privatpersonen oder anderen kriminellen Organisationen ermöglichen, Fälschungen mithilfe von 3D-Druckern herzustellen.
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IP-Experten sehen dringenden Handlungsbedarf

tesa SE
3D Printer Content
Durch den rasanten Fortschritt im Bereich des 3D-Drucks sieht IP-Experte Pierce noch ein weiteres Problem. „Aufgrund der geringer werdenden Größe von 3D-Druckern können Fälscher ihre Betriebsstätten schnell verlegen und sich so womöglich einer Strafverfolgung entziehen.“

Der IP-Experte sieht daher dringenden Handlungsbedarf. Zum einen für Unternehmen und Markeninhaber, ihre Geschäfts- und Rechtsstrategien anzupassen, um den neuen Herausforderungen im Schutz ihres geistigen Eigentums gerecht zu werden. Zum anderen für die Gesetzgebung, um einen passenden Rechtschutz für geistiges Eigentum in Anbetracht rasanter technologischer Entwicklungen zu gewährleisten. Hier schlägt der Report des Europäischen Parlaments beispielsweise die Einführung einer Steuer auf den 3D-Druck oder die Entwicklung legaler 3D-Druckdienste als überlegenswerte Lösungen vor.

Schutz vor illegalen Kopien durch 3D-Druck bieten fälschungssichere Markierungen, die direkt auf Originalprodukten oder ihrer Verpackung angebracht werden. So können alle Zielgruppen, von Zollbeamten über Händler bis hin zu Konsumenten prüfen, ob es sich um ein bedenkenloses Originalprodukt handelt. Ergänzt durch gezielte Anti-Piraterie-Kommunikation können sich Markenhersteller so effektiv vor Fälschung und Manipulation schützen.
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Quellen

Europäisches Parlament, Forbes, IP Pro, ITProPortal

Artikel in Kooperation mit dem Anti-Piracy Analyst, Ausgabe Mai 2018
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